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RE: [RSL] CIA-Pressemitteilung in Sachen Massenvernichtungswaffen/Irak
- Date: Mon, 01 Dec 2003 15:09:09 +0100
Lieber Wulff!
At 09:02 01.12.2003 +0100, you wrote:
Und wie erklärt sich dann die kontinuierliche Steigerung einschlägiger
Aktivitäten sowohl bezüglich Frequenz als auch Qualität? Ein Wetterphänomen?
Nein. Was den Irak betrifft: ein Anlass. Einfach nur ein willkommener
Anlass, mehr nicht. Da vermehrt sich nichts, da bomben die alten
Seilschaften und werden von vorhandenem menschlichen
Fundamentalisten-Nachschub aus der Nachbarschaft ergänzt. Und das "Schöne"
ist, dass sie nun allmählich genau die "Fehler" machen, die über kurz oder
lang zu erwarten waren: sie richten ihre Anschläge immer häufiger gegen
irakische Zivilisten. Das ist aus ihrer Sicht nur konsequent, wird aber
dazu führen, dass das weltweite Verständnis bröckelt. Mein Indikator dafür
ist der Spiegel. An dem Tag, an dem er zum ersten Mal nicht mehr vom
"irakischen Widerstand" schreiben wird, sind sie in die Grube gefallen, die
sie sich gerade fleißig buddeln.
Und wenn die Anschläge in Istanbul - was ich vermute - einem System folgen,
das darauf zielt, zunächst in freiheitlicheren muslimischen Ländern Zeichen
Gottes zu setzen, bevor sie es weltweit richtig krachen lassen, dann sind
sie tatsächlich jetzt schon erledigt, ohne es zu ahnen.
Was Israel/Palästina betrifft: da findet das Nachrücken der Brut statt, die
von Klein auf genau darauf vorbereitet worden ist.
Im übrigen weise ich vorsichtshalber darauf hin, daß ich das Argument
bezüglich des Bombardements deutscher Städte genau *nicht* in dem
Sinnzusammenhang verwendet habe, in den Du es jetzt stellst.
Das weiß ich.
Es ist an
dieser Stelle ebenso fehl am Platze wie der seitens der US-Regierung
beliebte Vergleich des heutigen Iraks mit Nachkriegsdeutschland.
Die US-Regierung hat vor allem den _Vorkriegs-Irak_ mit Nazideutschland
verglichen. Den Nachkriegs-Irak vergleicht sie eher mit Japan.
Aber darum ging es mir gar nicht; die Verhältnisse lassen sich sicherlich
nicht 1 zu 1 übertragen.
Was aber m.E. aussagbar ist: Fanatismus wächst nicht kurzfristig, nie und
nirgends. Selbst Guerilleros fallen nicht vom Himmel und entstehen nicht
binnen sechsmonatiger Besatzung. Was in direktem Reaktions-Zusammenhang mit
dem Vorgehen der USA im Irak steht, sind Beschimpfungen, Ungeduld, verbale
Aggression und - wenn es die gäbe, davon habe ich aber noch nichts gehört
-, nicht-organisierte Einzelgewalt beispielsweise im Zuge von
Durchsuchungen in Privathäusern.
Der "irakische Widerstand" ist kein _irakischer_ Widerstand. Was sich da
organisiert zu haben scheint, ist lange schon organisiert gewesen. Was sich
hingegen in der Bevölkerung tatsächlich zu organisieren beginnt, ist die
irakische Zivilgesellschaft. In der vergangenen Woche gab es die ersten
beiden Demonstrationen gegen Terrorismus; Nr. eins war von der
Größenordnung nicht von einer Reisegruppe zu unterscheiden, Nr. 2 hatte
bereits ein paar hundert Teilnehmer. Ich bin gespannt, wie das weiter geht.
Herzlich,
Felix
--
Rudolf Steiner Liste
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