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Re: [RSL] Wir arbeiten, arbeiten und arbeiten - eine Frage



Lieber Felix,

... Arbeit ist die Anwendung menschlicher Tätigkeit auf _Natur_ (Ressourcen) und sonst gar nichts.

ja, das ist eine sehr anregende Sichtweise, die man nur ausbauen muß.

Ich kenne z.B. kaum eine treffendere Beschreibung der Denktätigkeit. Oder der Verdauung. Arbeit - Anwendung von Tätigkeit auf Natur - ist etwas elementar Menschliches. (Beuys sprach in diesem Zusammenhang auch von Arbeit als "anthropologischer Größe".) Deshalb sind ja alles auch so versessen darauf - und sei es auch nur das symbolische "Arbeiten" eines Steinervortrages (Du siehst, ich versuche das jetzt mal positiv zu nehmen, obwohl es natürlich auch lächerlich ist). Steiner sprach übrigens immer wieder auch vom "Arbeiten" an den Wesengleidern (durch Meditation usw.)

Solange wir in einem Körper stecken, können wir gar nicht anders als - arbeiten, denn der Körper ist die Naturgrundlage, mit der wir als allererste konfrontiert werden und die unsere Fähigkeiten auf's grundlegendste herausfordert. Denken, Aufrichten, Gehen, den nächstbesten Gegenstand aufheben und auf einen anderen draufschlagen ;-) , wahrnehmen, ordnen, ein paar Zeichen in einen Stein ritzen, in die Luft spucken, etwas neues ausprobieren. Dass sich diese anthropologische Sichtweise von "Arbeit" nicht immer und an entscheidenden Stellen überhaupt nicht mit ökonomischen Kategorien des Kapitalismus deckt, ist eine ganz andere Frage, mit der auch das Negativ-Image zusammenhängt, das Arbeit - als Gegenteil von Spaß, oder als notwendiges Übel, das man auf sich nimmt, um eines Tages mal nicht mehr arbeiten zu müssen und die "Früchte seiner Arbeit genießen zu können" - bekommen hat.

*lich,
Frank

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