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Re: [RSL] Tiertotems und Evolultion
Am 31 Oct 2004 um 19:10 hat DeGand geschrieben:
> Doppelt falsch. Die Ethnologie beschäftigt sich mit den Bräuchen der
> Völker,
Längst nicht nur mit den "Bräuchen".
> und diese Bräuche sind nun ganz überwiegend
> esoterisch/religiösen Ursprungs und von daher geprägt.
Das kann man so sehen, man muss es aber nicht so sehen. Es geht ebensogut
andersherum - meist sogar wesentlich besser: erst gibt es Rituale, die in aller Regel
der Sippenstruktur dienlich sind und diese werden dann mit Mythen aufgeladen, um
sie im sozialen Leben zu befestigen. Und gerade dafür ist der Totemismus ein ganz
ausgezeichnetes Beispiel. Mit der anderen Sichtweise kommst du nicht nur sehr
schnell in Erklärungsnöte hinsichtlich einer besonderen totemistischen Praxis in der
Tradition einer besonderen Ethnie (nimm z.B. eine der wenigen Ethnien, in der es
zweifelsfrei "flächendeckend" totemistische Praktiken gibt, die australischen
Aborigine: dort hat jedes Individuum zwei bis vier Totems - bisweilen ein
individuelles und ein kultisches, in jedem Fall aber ein Clantotem und ein
Geschlechtstotem, die nicht zuletzt die Exogamie der verwandtschaftlichen Gruppe
gewährleisten), sondern du kannst den vollkommen unterschiedlichen Ritualen und
Anschauungen, die von den frühen Ethnologen allesamt unter den - dann -
Kunstbegriff des "Totemismus" subsumiert wurden, gar nicht gerecht werden, weil
du hinsichtlich der religiösen Inhalte, Ursprünge und Mythen kaum
Gemeinsamkeiten finden wirst; die gibt es allenfalls in der sozialen Funktion.
> Deshalb haben
> nicht ethnologische Begriffe Eingang in die Hermetik gefunden, sondern
> der Totem-Begriff, die Totem-Praxis selbst ist esoterisch.
Esoterisch ist sie schonmal überhaupt nicht - mit der einzig mir bekannten
Ausnahme der Kult-Totems bei den Aborigine. "Zugang" zu Totems haben dort, wo
sie eine Rolle spielen, in der Regel alle Mitglieder der Gemeinschaft.
Falls du mit dem Esoterik-Begriff nicht die Zugangseinschränkung gemeint haben
solltest, sondern auf eine mystische, innerliche Haltung verweisen wolltest, liegst du
auch daneben. Den Totemismus zeichnet gerade der vollkommen offen dargelebte
soziale Aspekt aus. Die Identifikation mit einem Totem ist hinsichtlich seiner
symbolischen Bedeutung für das Individuum und unter Außerachtlassung der
wesentlich wichtigeren gemeinschaftsregulierenden Struktur-Aspekte am ehesten
mit unseren Statussymbolen vergleichbar; bei uns fühlt man sich nicht mit
Schakalen verwandt, sondern mit anderen Saab-Fahrern und Golfspielern.
Außerdem ist der Totembegriff erst durch ethnologische Feldforschung entstanden.
Das Wort Totem stammt aus der Sprache der nordostamerikanischen Ojibwa (von
"ototeam"= in etwa "er ist mein Verwandter"); das mit ihm bezeichnete Phänomen
wurde von der Ethnologie verallgemeinernd auf _ähnliche_ Phänomene in anderen
Ethnien angewandt.
> Desweiteren
> haben wir nie behauptet, "Totem" sei ein Synonym für Tierleiber.
Ihr habt behauptet, die Menschheit habe in ihrer Entwicklung Tiertotems
herausgesetzt, was - gelinde gesagt - Quatsch ist.
> Nun, das trifft dasselbe. Da Du Freud zitierst, sollte man bei Dir
> folgendes voraussetzen können, nämlich daß Freud (Psychoanalyse,
> Totem- und Moses-Betrachtungen) auch religiöse Vorstellungen einem
> sublimierten Schuldkomplex zuschreibt. Beispiel : Die Juden hatten
> nach Freud ein schlechtes Gewissen, weil sie Moses umgebracht hatten,
> und bauten einen Glauben drumherum.
Das ist eine Rationalisierung oder eine Projektion, aber keine Sublimierung. Eine
Sublimierung - Klappe, die zweite - ist die Ventilierung sexueller Triebenergie
(Libido) in ein gesellschaftlich akzeptiertes und/oder schöpferisches Handeln. Es ist
in der psychoanalytischen Weltanschauung die Bedingung kultureller Entwicklung
und eine Alternative zur aus Verdrängung geborenen Neurose.
> Ohne Kommentar. Geschwurbel würden wir höchstens auf Deine bewußt
> inszenierten Mißverständnisse anwenden und begründet zitieren können.
Na, dann mal los.
>> Es hat wahrscheinlich wenig Sinn, euch auf die ganz banale Frage
>> hinzuweisen, mit
>> welcher Begründung ihr etwas als unabhängig vom menschlichen
>> Bewusstsein "bestehend" annehmt und wie ihr das jemals belegen wollt -
>> Entschuldigung: wie sich dieses unabhängig vom menschlichen
>> Bewusstsein Bestehende jemals als solches erweisen soll."
>
> Eben, wir haben keine Beweisintentionen. Genausowenig wirst Du das
> Gegenteil beweisen können.
Welches Gegenteil?
Es geht um den Umstand, dass eine Annahme, die sich nicht beweisen lässt und
deren Inhalt sich aus prinzipiellen Gründen auch nicht erweisen kann, unsinnig ist.
Das "Gegenteil" von demjenigen, was ihr tut, ist nicht, das inhaltliche Gegenteil
eurer Annahme anzunehmen, sondern auf die Annahme zu verzichten, bzw. sie
schon beim ersten Melden als absurd zu erkennen.
> Du hast das gegenwärtige
> Wissenschaftsparadigma auf Deiner Seite,
Nein - aber sicherlich das kommende :-)).
> widersprichst jedoch offen
> Deinem verehrten Meister Steiner nach / ab 1902.
Selbst, wenn es so wäre: ja und?
Ich weiß nicht: ist das jetzt absichtlich so formuliert, dass ich darauf folgendes
antworten soll: Steiner ist nicht mein Meister und verehren tue ich ihn auch nicht - ?
>> Und das bedeutet was?
>> Dass sich eure Forenbeiträge grundsätzlich und also auch in Zukunft
>> durch thematische Wirrnis, unbegründete Behautungen und eine Länge
>> auszeichnen, die in überhaupt keiner benennbaren Relation zum nicht
>> vorhandenen Inhalt steht?"
>
> Felix, Du hattest uns - nachhaltiges Nichtverstehen vorspielend -,
> selber um einen solchen Beitrag gebeten.
Um "einen solchen Beitrag" - thematisch wirr, haltlos und ellenlang - habe ich ganz
sicher nicht gebeten; und schon gar nicht um Hunderte davon. Im Gegenteil: eure
entsprechenden Beiträge veranlassen mich immer wieder, darum zu bitten, zur
Abwechslung mal begründete Antworten zu verfassen.
> Merkst Du, daß Du ganz andere Maßstäbe
> an uns als an Dich anlegst ?
Zu recht, Konrad. Es bin ja nicht ich, der inhaltsleeres Gebrabbel als
geisteswissenschaftliche Forschungsbeiträge ausgibt. Insofern muss ich mich dafür
auch nicht verantworten.
> Wenn von Dir gewünscht, dann laß uns bitte etwas besprechen, was nicht
> dem Forum entstammt, z.B. das Wittener Dokument.
Damit fing dieser Schmarrn hier ja an.
Ich werde einen Teufel tun und von mir aus irgendwelche Themen neu aufs Tapet
bringen; die Beschäftigung mit denen, die ihr hier anschleppt, reicht wirklich völlig.
Felix
--
Rudolf Steiner Liste
http://www.equisetum.de/rudolf-steiner/
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