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Re: [RSL] Immunisieren?
- Date: Fri, 02 Jun 2006 13:18:29 +0200
Liebe Magdalena,
Welche denn? Kloss war ein Sprachsoziologe von internationalem Ruf und
hat das Fach entscheidend geprägt, mit wem sonst hätte man sich anlegen
sollen (zumal er 1987 im 84. Lebensjahr gestorben war). In seinem
Hauptwerk Hauptwerk: Grundzüge der Ethnopolitik im 20. Jahrhundert
(1969) bezieht er sich explizit auf Steiner, das war also kein
Geheimnis.
Soweit Kloss.
Schau Dir die Gliederung von Gerd Simon an, da taucht Kloss doch eher
unter 'ferner liefen' auf, viel ausführlicher behandelt er:
Schmidt-Rohr, Bremer, Blunck, Plassmann. Und ebenso beiläufig wurde
Kloss in seinem Vortrag erwähnt. Soviel zu Kloss als Watschenmann.
Ein anderes Thema sind die Wörter und Gedanken-bruchstücke, mit denen
immer wieder argumentiert wird. Mir scheint das gefährlich bequem. Wer
Vilk sagt frisst auch kleine Kinder, also sagen wir Ethnie (und glauben
uns von Konnotationen befreit zu haben). Ich habe da mal ein Stück von
Carl Schmitt gefunden, klingt 'fast' wie PdF und ist doch völlig anders.
In den siebzigern hatte einige Männer das ganze softe Vokabular drauf
und waren doch die alten Machos. Mit Wörter denunzieren/vermeiden kommen
wir nicht weiter, mit 'gefährliche Nähe' postulieren und vermeiden auch
nicht.
Die Frage, war Steiner Rassist, Nationalist, Vorläufer oder Vordenker
des Faschismus habe ich weder gestellt noch behandelt, und schon gar
nicht versucht ihn in die Nähe dieser Vordenker zu rücken und zu
denunzieren. Worauf ich versucht habe aufmerksam zu machen, ist die
Tatsache, daß Versatzstücke aus Steiners Werk von seinen Schülern offen
oder maskiert in deren mitunter rassistisch, faschistische oder
nazistische getönte Darstellungen integriert werden und ich habe
gefragt, wieso diese Verfahrensweisen innerhalb von Denkkollektiven
reproduziert werden können. Nicht mehr und nicht weniger.
Dafür kann Steiner nichts! Aber seine Schüler sind für ihre Anschauungen
schon in Haftung zu nehmen. Und die Frage, warum sie so verfahren, ist
zu beantworten, sonst kommt man die braunen Anhaftungen nicht los.
Ich habe mit der RAF eher sympatisiert und die chinesische
Kulturrevolution zuerst mal gar nicht so schlimm gefunden (warum soll
ein Gelehrter nicht mal ein Feld umgraben), und zwar als Anthroposoph.
Dafür bin ich verantwortlich, nicht Steiner mit seinen egalitären
Ideen.
Warum rennst Du offene Türen ein? Ich habe nicht Steiner für
Denkkollektive verantwortlich gemacht, sondern Denkkollektive als
Erklärungsansatz für Veränderungsresistenz und Kritikunfähgkeit angeboten.
Ansonsten paßt dazu nur die berühmte letzte Frage von Günter Gaus: "Gibt
es ein Menschenrecht auf Irrtum?" Ich meine ja, wer versucht, 'rein' zu
denken, geht immer auch das Risiko ein, aus dem reinen Denken
herauszufallen.
Herzliche Grüße
André
--
Rudolf Steiner Liste
http://www.equisetum.de/rudolf-steiner/
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