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Re: [RSL] Zum Tod der Bestie von Bagdad



Lieber Christoph!

At 03:07 06.01.2007, you wrote:

Seit meine Großmutter mir - ich war vielleicht gerade eingeschult worden - von ihrer Jugend im Dritten Reich erzählte, kam mir die Menschheit unheimlich vor. Ich hatte fortan große Skepsis in Bezug auf meine Zugehörigkeit zur Menschheit.

Verstehe ich, kenn' ich auch ansatzweise. Allerdings gibt es m.E. eben noch einen deutlichen Unterschied zwischen Mitläufern und willigen Helfern - oder, um mit Hannah Arendt zu sprechen: der Banalität des Bösen (wobei ich nicht glaube, dass sie Eichmann damit restlos beschrieben hat) - auf der einen und einem ohne jede Not und im Vollbewusstsein seines Tuns, seiner Absichten, der Folgen und gerne in unmittelbarer Begegnung mit seinen Opfern in größtmöglicher Grausamkeit handelnen Individuum auf der anderen Seite.

Einige Dinge, die für Saddam auch zutreffen (im Übrigen: für Hitler meines Wissens nach nicht), wie beispielsweise eine besondere Abgebrühtheit im Umgang mit dem Tod - er hat ja regelmäßig seine Kinder mit zu Hinrichtungen geschleppt, damit sie sich dran gewöhnen -, halte ich "lediglich" für grenzwertig und für nötigenfalls noch irgendwie durch was-auch-immer-Biographisches erklärbar. Aber diese abgrundtief bösartige Ratte hat neben der gezielten Tötung von Hunderttausenden Schiiten und Kurden nicht nur ziemlich wahllos alles morden lassen, was nicht 100%ig spurte; sie hat ihre Opfer systematisch gefoltert und es sich noch nicht einmal nehmen lassen auch ganz persönlich mitzumischen: als Richter und als Henker. Er war fähig, auf Geständnisse von Inhaftierten sehr freundlich mit einem "Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit" zu reagieren, um ihnen dann ein Ohr abhacken oder ein Auge ausstechen zu lassen. Er hat seine ins Exil geflohenen Schwiegersöhne "begnadigt", nur damit er sie nach deren versöhnlicher Rückkehr hinrichten lassen konnte. Er hat Familienmitgliedern politischer Gefangener versprochen, dass sie ihre Angehörigen zurückbekommen und sich an sein Versprechen gehalten, indem er sie nach deren Hinrichtung zerstückeln und per Paket zustellen ließ. Ein Teil der 1991 im irakischen Süden in großem Stil umgebrachten Schiiten sollen bei lebendigem Leib mit Asphalt übergossen worden sein, nachdem sie sich zu Dutzenden auf die Straße legen mussten. Ende 2002 - vor der "Generalamnestie", die Saddam ausrief - saßen weit über eine halbe Million Iraker in Saddams Foltergefängnissen, von denen ein Großteil bestialisch gequält wurde. Von den Giftgasangriffen gar nicht zu reden.

Ich bin sehr dafür, dass Menschenrechte in solchen Fällen als verwirkt angesehen werden. Ich sehe nicht einen einzigen Grund, der mich zu einer Verteidigung solcher Bestien in Menschengestalt veranlassen könnte - nicht gegen eine rechtsstaatlich verhängte Todesstrafe und noch nicht einmal gegen Lynchjustiz. Im Gegenteil; es ist eine Freude, sie hängen zu sehen.



Liebe Grüße und einen schönen Dreikönigsmorgen!

Ebenso!
CD ist immerhin schon mal gebrannt; jetzt fehlt noch ein Cover ...

Felice


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