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Re: [RSL] Haushofer: Die Wand



Lieber Christoph!

At 01:40 04.10.2007, you wrote:

Erst fand ich es - nun ja - recht merkwürdig. Die Idee mit der Wand gefiel mir durchaus, lagen durch das Ereignis der Wand doch vielerlei reizvolle Szenarien in der Luft. Dann aber geschah einfach nichts. Gar nichts.

;-)))))))))))
Sehr gut beschrieben! Ich glaube, dass es "so" jedem Leser gehen wird.
Und genau darin - bzw. im dann erfolgen müssenden "Durchhalten" und seinen Ergebnissen für die persönliche Befindlichkeit - liegt dasjenige, was dieses Buch auch meiner Ansicht nach zu einem großartigen, zeitlosen und auf ewig "herausfordernden" Werk macht. Es ist mal wieder ein Buch, an dem man etwas erleben kann.


Als die gute Frau bei so ca. Seite 180 immer noch nicht einmal _einen_ Gedanken an Sex "verschwendet" hatte und weiterhin umfängliche Beschreibungen des (fast) immer gleichen Tagesablaufs erfolgten, begann ich mich doch zu fragen, wie es kommt, dass Felix dieses Buch gleichermaßen dringend empfielt wie Ernst Augustins "Evelyn"?

:-))))))))))))))))))


Ich hatte eine große Lesekrise mit Haushofers "Wand".

!!!!!!!!!


Irgendwie fand ich die äußerst spärlichen Hinweise auf innere Entwicklungsschritte der Protagonistin sehr unbefriedigend, ja fast schon provokant. Ich war wütend und doch habe ich mich wieder zusammengerissen und weitergelesen. Und das war genau der entscheidende Punkt: Sich zusammenreißen und weitermachen sind nämlich genau die beiden Tugenden, die das Buch füllen.

!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Du hast trotzdem - mit Gewinn - weitergelesen.
Warum eigentlich?

Das Lustige an dem Buch ist - meiner persönlichen Erfahrung nach -, dass man deshalb weiterliest, weil man hofft, dass noch irgend etwas "geschehen" möge - auch wenn man ahnt, dass das nicht der Fall sein wird, was man allerdings andererseits auch wiederum ersehnt.
Genau DAS ist das Geheimnis des Buches.
Die Geschichte als solche ist (im Rückblick wenigstens) auch schön - aber letztlich geht es um das Lese-ERLEBNIS.



Und plötzlich - so ab Seite 200 - begann ich es zu genießen oder gar zu zelebrieren, das alltägliche Sich-Zusammenreißen und Weitermachen der Protagonistin begann ich nun, lesend und es wie eine Meditation emfindend, zu begleiten. Bis zum großen, wenn auch völlig nüchternen, Finale. Noch Tage später sehnte (!) ich mich plötzlich nach dem Hauptschauplatz des Buchs, dem einsamen Jagdhaus zurück.

Schön, dass ich (mit meinem Leseerlebnis) nicht alleine bin. ;-))

Herzlich,
Felix


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