[Author Prev][Author Next][Thread Prev][Thread Next][Author Index][Thread Index]
Re: [RSL] Haushofer: Die Wand
- Date: Thu, 04 Oct 2007 02:12:34 +0200
Lieber Christoph!
At 01:40 04.10.2007, you wrote:
Erst fand ich es - nun ja - recht merkwürdig.
Die Idee mit der Wand gefiel mir durchaus, lagen
durch das Ereignis der Wand doch vielerlei
reizvolle Szenarien in der Luft. Dann aber geschah einfach nichts. Gar nichts.
;-)))))))))))
Sehr gut beschrieben! Ich glaube, dass es "so" jedem Leser gehen wird.
Und genau darin - bzw. im dann erfolgen müssenden
"Durchhalten" und seinen Ergebnissen für die
persönliche Befindlichkeit - liegt dasjenige, was
dieses Buch auch meiner Ansicht nach zu einem
großartigen, zeitlosen und auf ewig
"herausfordernden" Werk macht. Es ist mal wieder
ein Buch, an dem man etwas erleben kann.
Als die gute Frau bei so ca. Seite 180 immer
noch nicht einmal _einen_ Gedanken an Sex
"verschwendet" hatte und weiterhin umfängliche
Beschreibungen des (fast) immer gleichen
Tagesablaufs erfolgten, begann ich mich doch zu
fragen, wie es kommt, dass Felix dieses Buch
gleichermaßen dringend empfielt wie Ernst Augustins "Evelyn"?
:-))))))))))))))))))
Ich hatte eine große Lesekrise mit Haushofers "Wand".
!!!!!!!!!
Irgendwie fand ich die äußerst spärlichen
Hinweise auf innere Entwicklungsschritte der
Protagonistin sehr unbefriedigend, ja fast schon
provokant. Ich war wütend und doch habe ich mich
wieder zusammengerissen und weitergelesen. Und
das war genau der entscheidende Punkt: Sich
zusammenreißen und weitermachen sind nämlich
genau die beiden Tugenden, die das Buch füllen.
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Du hast trotzdem - mit Gewinn - weitergelesen.
Warum eigentlich?
Das Lustige an dem Buch ist - meiner persönlichen
Erfahrung nach -, dass man deshalb weiterliest,
weil man hofft, dass noch irgend etwas
"geschehen" möge - auch wenn man ahnt, dass das
nicht der Fall sein wird, was man allerdings
andererseits auch wiederum ersehnt.
Genau DAS ist das Geheimnis des Buches.
Die Geschichte als solche ist (im Rückblick
wenigstens) auch schön - aber letztlich geht es um das Lese-ERLEBNIS.
Und plötzlich - so ab Seite 200 - begann ich es
zu genießen oder gar zu zelebrieren, das
alltägliche Sich-Zusammenreißen und Weitermachen
der Protagonistin begann ich nun, lesend und es
wie eine Meditation emfindend, zu begleiten. Bis
zum großen, wenn auch völlig nüchternen, Finale.
Noch Tage später sehnte (!) ich mich plötzlich
nach dem Hauptschauplatz des Buchs, dem einsamen Jagdhaus zurück.
Schön, dass ich (mit meinem Leseerlebnis) nicht alleine bin. ;-))
Herzlich,
Felix
--
Rudolf Steiner Liste
http://www.equisetum.de/rudolf-steiner/
---------- End of message ----------