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RE: [RSL] Kinder wollen keine Krippen



Lieber Christian, liebe Disputanten,

nicht, weil ich zum Thema "Wer ist die 'bessere' Bezugsperson" tatsächlich eine feste Ansicht hätte, sondern weil ich einen Aspekt aus Sebastians Position aufgreifen will, den ich in der Tat für sehr nachdenkenswert halte, hier ein paar Comments:

At 23:44 05.10.2007, you wrote:
Aber auch das ist für viele Eltern keine Frage der freien Entscheidung sondern eine Not, die ihre sozialen Verhältnisse mit sich bringen.

Ich glaube, da sollte man sehr genau hinschauen, was unter dieser "Not" von den betroffenen Paaren verstanden wird. Ist es wirkliche "Not" oder geht es um einen größeren Fernseher, den Malle-Urlaub und die Finanzierung des Zweitwagens. Alles unbenommen berechtigte Wünsche, insofern es darum geht. Aber alles auch kein Grund, nicht zu hinterfragen, auf wessen Kosten das schöne Leben als Doppelverdiener geht.



Es gibt Mütter, die sind die allerletze Wahl und für manche Kinder ist es ein Segen, endlich in den Kindergarten oder in die Schule zu dürfen. Und ich hab auch schon von Tagesmütter gehört, da wären die Kinder bei McDonalds besser aufgehoben. Menschen sind Individuuen und soziale Kontexte dementsprechend individuell. Ein Rezept ist da von vorneherein untauglich.

So. Und da setzt doch die (mehrteilige) Kritik bereits an - berechtigterweise, wie ich finde. Wieso werden die Egotripps freiwillig zu Eltern gewordener Paare gegenüber ihren Kindern in Schutz genommen? Ok - man muss für diese Fälle eine Lösung finden, klar. Aber die Kritik an den unfähigen Eltern ist deshalb doch nicht obsolet.

Niemand wird gezwungen Kinder in die Welt zu setzen. Wer es tut, hat eine Verantwortung und könnte wissen, dass die Angelegenheit nicht nur ein bisschen Arbeit erfordert, sondern auch eine existentielle Beziehung bedeutet. Ich halte Kritik für völlig legitim, wenn diese Beziehung gegen irgendwelche persönliche Zickereien aufgerechnet und dabei so getan wird, als gehe es um ganz selbstverständliches Abwägen an sich gleichwertiger Sachverhalte. Man kann sich in allen Fällen vorher überlegen, ob man sich dem Abenteuer "Eltern-Werden" gewachsen sieht oder nicht.

Warum muss man eigentlich eine Prüfung ablegen, um am Straßenverkehr teilzunehmen, darf aber Kinder in die Welt setzen, wie man gerade lustig ist?

Es gab übrigens selten ein so flächendeckendes Einvernehmen zwischen Verhaltensbiologen, Psychoanalytikern und Psychiatern wie bei den einhelligen Vorbehalten gegenüber der Kinderkrippenunterbringung (in den ersten drei Lebensjahren). Die Therapeuten unter ihnen haben alle ihre erwachsenen und verschiedentlich gestörten Patienten mit (aus unterschiedlichsten Gründen) nicht ausgebildetem Urvertrauen vor sich und können gar nicht anders als vor dem systematischen Zerstören der Bildung dieses Urvertrauens durch "Bezugspersonenhopping" im frühen Lebensalter eindringlich zu warnen.

Herzlich,
Felix


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