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RE: [RSL] Kinder wollen keine Krippen
- Date: Sat, 06 Oct 2007 04:16:36 +0200
Lieber Christian, liebe Disputanten,
nicht, weil ich zum Thema "Wer ist die 'bessere'
Bezugsperson" tatsächlich eine feste Ansicht
hätte, sondern weil ich einen Aspekt aus
Sebastians Position aufgreifen will, den ich in
der Tat für sehr nachdenkenswert halte, hier ein paar Comments:
At 23:44 05.10.2007, you wrote:
Aber auch das ist für viele Eltern keine Frage
der freien Entscheidung sondern eine Not, die
ihre sozialen Verhältnisse mit sich bringen.
Ich glaube, da sollte man sehr genau hinschauen,
was unter dieser "Not" von den betroffenen Paaren
verstanden wird. Ist es wirkliche "Not" oder geht
es um einen größeren Fernseher, den Malle-Urlaub
und die Finanzierung des Zweitwagens.
Alles unbenommen berechtigte Wünsche, insofern es
darum geht. Aber alles auch kein Grund, nicht zu
hinterfragen, auf wessen Kosten das schöne Leben als Doppelverdiener geht.
Es gibt Mütter, die sind die allerletze Wahl und
für manche Kinder ist es ein Segen, endlich in
den Kindergarten oder in die Schule zu dürfen.
Und ich hab auch schon von Tagesmütter gehört,
da wären die Kinder bei McDonalds besser
aufgehoben. Menschen sind Individuuen und
soziale Kontexte dementsprechend individuell.
Ein Rezept ist da von vorneherein untauglich.
So. Und da setzt doch die (mehrteilige) Kritik
bereits an - berechtigterweise, wie ich finde.
Wieso werden die Egotripps freiwillig zu Eltern
gewordener Paare gegenüber ihren Kindern in Schutz genommen?
Ok - man muss für diese Fälle eine Lösung finden,
klar. Aber die Kritik an den unfähigen Eltern ist deshalb doch nicht obsolet.
Niemand wird gezwungen Kinder in die Welt zu
setzen. Wer es tut, hat eine Verantwortung und
könnte wissen, dass die Angelegenheit nicht nur
ein bisschen Arbeit erfordert, sondern auch eine
existentielle Beziehung bedeutet.
Ich halte Kritik für völlig legitim, wenn diese
Beziehung gegen irgendwelche persönliche
Zickereien aufgerechnet und dabei so getan wird,
als gehe es um ganz selbstverständliches Abwägen
an sich gleichwertiger Sachverhalte. Man kann
sich in allen Fällen vorher überlegen, ob man
sich dem Abenteuer "Eltern-Werden" gewachsen sieht oder nicht.
Warum muss man eigentlich eine Prüfung ablegen,
um am Straßenverkehr teilzunehmen, darf aber
Kinder in die Welt setzen, wie man gerade lustig ist?
Es gab übrigens selten ein so flächendeckendes
Einvernehmen zwischen Verhaltensbiologen,
Psychoanalytikern und Psychiatern wie bei den
einhelligen Vorbehalten gegenüber der
Kinderkrippenunterbringung (in den ersten drei Lebensjahren).
Die Therapeuten unter ihnen haben alle ihre
erwachsenen und verschiedentlich gestörten
Patienten mit (aus unterschiedlichsten Gründen)
nicht ausgebildetem Urvertrauen vor sich und
können gar nicht anders als vor dem
systematischen Zerstören der Bildung dieses
Urvertrauens durch "Bezugspersonenhopping" im
frühen Lebensalter eindringlich zu warnen.
Herzlich,
Felix
--
Rudolf Steiner Liste
http://www.equisetum.de/rudolf-steiner/
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