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Re: [RSL] Krise und Geld



Lieber Frank!

At 09:20 12.07.2009, you wrote:

die USA z.B. haben Schulden bei China und Japan: http://tiny.cc/bptEW
und natürlich bei unzähligen anderen Institutionen und Personen, u.a.
bei mir.

Aber das sind alles keine *realen* Schulden. Es sind keine - ich nennen das jetzt mal so: - "Sachschulden". Die USA schulden Japan (das, by the way, selbst die höchte Staatsschuldquote der Welt hat) und China kein Geld für bezogene Waren - oder wenn, dann nur zu einem verschwindend geringen Teil -, sondern die Auslandsschulden sind "reine Geldschulden", sprich: Kreditschulden. China und Japan halten US-Treasuries in großer Zahl; das sind spekulative Schuldscheine und sonst gar nichts (sie haben einen theoretischen Bezugswert: die Wirtschaftsleistung der USA; im Zweifelsfall ist der aber tatsächlich rein theoretisch, weil er beispielsweise durch Dollar-Abwertung, durch Inflation und durch Währungsreform beeinflussbar ist).

Das "Problem" ist, dass sich der Geldkreislauf vollständig vom realwirtschaftlichen Kreislauf abgekoppelt hat. Die Geldschöpfung (und -vernichtung) mag durch Regularien in irgendeiner Beziehung zur Realwirtschaft gehalten werden; sie ist davon aber prinzipiell völlig unabhängig: eine Welt für sich namens "fiat money".


Neuerdings heißt es allerdings, dass sie dazu übergegangen
sind, bei sich selbst Schulden aufzunehmen: http://tiny.cc/JH61R - das
ist wirklich irre.

Ja - wobei das die logische Folge des Systems ist: Wenn Geld in großem Stil vernichtet worden ist (Immobilienpreise im Sinkflug, Konkurse ..., also: Abschreibungen etc.), ist die Geldmenge gesunken und den Geschäftsbanken steht weniger Möglichkeit zur Geldschöpfung qua Kreditvergabe zu Verfügung. Dann muss ich als Zentralbank in großem Stil Geld "drucken" (wobei es nicht zwingend um Bargeld, sondern vor allem um die Erhöhung des Giralgeldes - Buchgeld - geht) und stelle es dann beispielsweise im Rahmen von Konjunkturprogrammen der öffentlichen Hand als Kredit zu Verfügung. Eine andere Möglichkeit ist der Ankauf eigener Staatsanleihen, die aufgrund des niedrigen Zinssatzes und/oder aufgrund eines allgemeinen Misstrauens niemand sonst haben will.

Übrigens steht meine gestrige Erkenntnis auch ganz lapidar in dem entsprechenden Wiki-Artikel. Hätte ich ja mal nachschauen können (aber Selberdenken macht halt mehr Spaß ;-)):

"Unter den derzeit üblichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kann nur eine verschuldete Gesellschaft über werthaltiges Geld verfügen. Bis auf wenige Ausnahmen wie bei <http://de.wikipedia.org/wiki/Umlaufgesichertes_Geld>umlaufgesichertem Geld - ist in der gängigen Sichtweise der Banken alles Geld von vorn herein mit <http://de.wikipedia.org/wiki/Zins>Zins belastet. Das Zahlen von Zinsen an die Geld erzeugenden Banken ist demnach die Voraussetzung für das Vorhandensein von Geld. Banken erzeugen bei der Kreditvergabe stets zusätzliches Geld, das vorher nicht vorhanden war und können durch Ankauf werthaltiger Aktiva Geld erzeugen, gleichwohl fordern sie vom Kreditnehmer für das zusätzlich erzeugte <http://de.wikipedia.org/wiki/Kreditgeld>Kreditgeld die Zahlung von Zinsen."
-> http://de.wikipedia.org/wiki/Geldsch%C3%B6pfung

Herzlich,
Felix


--

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